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Fehlgeburt (Abort)

Begriffsdefinition und Häufigkeit

Unter einer Fehlgeburt versteht man das Absterben eines Embryos oder die frühzeitige Geburt eines Kindes vor Erreichen der Überlebensfähigkeit. Zu einem Spontanabort, das heißt zu einem natürlichen Abgang der Frucht, kommt es in 10 bis 15% aller Schwangerschaften. Diese Zahlen beinhalten nur Fehlgeburten, die durch Ultraschalluntersuchungen oder hormonelle Schwangerschaftstests nachgewiesen wurden. Die Zahl der vorzeitig endenden Schwangerschaften liegt viel höher (bei 70%), nur werden sie nicht von den Frauen wahrgenommen, da sie mit der pünktlich eintretenden Regelblutung abgehen. Die meisten Aborte ereignen sich in den ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft (Frühaborte).

Wiederholte Fehlgeburten (habituelle Aborte)

Definitionsgemäß spricht man von einem habituellen Abort als behandlungsbedürftiger Erkrankung, wenn die Frau drei Fehlgeburten in ununterbrochener Reihenfolge hatte. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Aborts steigt jedoch bereits nach einer oder zwei erlittenen Fehlgeburten deutlich an. Das Risiko nach einer Fehlgeburt noch eine weitere zu erleiden beträgt 12-24%, nach zwei Aborten 19-35% und nach drei Fehlgeburten 25-46%. Die Zahlen stellen nur die Wahrscheinlichkeit dar, weitere Aborte zu haben. Die Ursachen sind nicht berücksichtigt. Das genetische Risiko kann bei einer Frau mit bereits durchgemachten Fehlgeburten genauso groß sein wie bei einer Frau ohne vorherige Fehlgeburten.

Arten von Fehlgeburten und Behandlung

Man unterscheidet bei den Fehlgeburten zwischen den verhaltenen Aborten (missed abortion oder MA) und den Fehlgeburten bei denen es zu einem Fruchtabgang kommt.Bei einem verhaltenen Abort stirbt die Frucht im Mutterleib ab und wird nicht von der Gebärmutter ausgestoßen.

Ihm gehen meist Schmierblutungen voraus. Nach einer Weile spürt die Schwangere keine Schwangerschaftszeichen mehr (Spannen in den Brüsten, morgendliche Übelkeit, Gewichtszunahme, Kindsbewegungen). Der behandelnde Arzt diagnostiziert, dass die Gebärmutter nicht an Volumen zunimmt, keine normale Fruchthöhle mehr im Ultraschall zu sehen ist und die kindlichen Herztöne fehlen. Bei diesem Befund wird bis zur 12 Schwangerschaftswoche eine Ausschabung (Abrasio) vorgenommen. Ist die Schwangerschaft weiter fortgeschritten, wird die Fehlgeburt mit wehenauslösenden Mitteln eingeleitet. Das tote Kind wird auf natürlichem Weg geboren.

In den ersten drei Monaten sind die Anzeichen einer drohenden Fehlgeburt zuerst geringe Blutungen oder bräunlicher Ausfluss. Erst später setzten Unterleibsschmerzen mit Druckgefühl, Ziehen in den Leisten und Bauchkrämpfe ein. In den folgenden Schwangerschaftsmonaten beginnt eine drohende Fehlgeburt mit ziehenden, wehenartigen Unterleibsschmerzen oder das Fruchtwasser geht ab. Dann setzen leichte bis mittelstarke Blutungen ein.

Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Schwangerschaften erhalten werden. Per Ultraschall wird bestimmt, ob die Fruchtanlage normal ausgebildet ist und das Ungeborene lebt. Mittels einer Hormonuntersuchung kann der behandelnde Mediziner herausfinden, ob die Schwangerschaft intakt ist und die Plazenta ausreichend arbeitet. In diesem Fall wird die Schwangere in ein Krankenhaus eingewiesen und ihr wird strenge Bettruhe verordnet. Die Therapie beinhaltet meist auch die Gabe von beruhigenden und wehenhemmenden Mitteln. Eine Fehlgeburt kann nicht mehr gestoppt werden, wenn bei einer Schwangeren heftige wehenartige Schmerzen auftreten, sie starke Blutungen hat, sich der Muttermund öffnet und die Fruchtblase platzt.

Ursachen von Fehlgeburten

Als Ursachen von Fehlgeburten werden die häufigsten und am best erforschten Gründe aufgeführt.

1. Genetische Ursachen

Es wird davon ausgegangen, dass über 50% der Fehlgeburten, vor allem die, die schon vor der erwarteten Regelblutung eingetreten sind, genetische Ursachen haben.

Zahlenmäßige Veränderungen im Chromosomensatz

Statt 46 Chromosomen haben diese Embryonen beispielsweise 47 oder 45. Diese zahlenmäßigen Abweichungen können spontan auftreten, dass heißt ohne erkennbaren äußeren Grund. Die Wahrscheinlichkeit in der nächsten Schwangerschaft aus dem gleichen Grund wieder eine Frühgeburt zu erleiden steigt nicht an. Das Alter der Eltern spielt dafür keine Rolle. Das bekannteste Beispiel für eine zahlenmäßige Veränderung im Chromosomensatz stellt die Trisomie 21 dar. Es handelt sich um das Down-Syndrom, auch Mongolismus genannt. Das Chromosom 21 ist dreimal vorhanden. Die Häufigkeit dieser genetischen Erkrankung steigt vor allem mit dem Alter der Mutter, aber auch des Vaters an.

Translokationen

Bei etwa 10% aller Aborte ist eine sogenannte Translokation der Eltern die Ursache. Hierbei wird genetisches Material innerhalb eines Chromosomenpaares verschoben. Ein Chromosom eines Chromosomenpaares hat beide betroffenen Gene, beim anderen Chromosom fehlt das Gen. Für den betroffenen Elternteil hat dies keine Konsequenzen, da ja das komplette Genmaterial vorhanden ist, wenn auch nur auf einem Chromosom. Problematisch wird dies, wenn bei der Bildung der Eizellen und der Spermien in der Reduktionsteilung (Meiose) die homologen Chromosomen getrennt werden und der Chromosomensatz halbiert wird. Dem neu entstehenden Embryo können Gene fehlen oder er hat zu viele. Zwangsläufig muss dies nicht zu einer Fehlgeburt führen, da nicht alle Gene lebensnotwendig sind. Es können durchaus lebensfähige und unauffällige Kinder auf die Welt kommen. Bei zwei oder mehr Aborten sollte eine genetische Beratung und eventuell eine genetische Untersuchung des Paares stattfinden. Bei einem erhöhten genetischen Risiko sollte bei erneuter Schwangerschaft über eine Fruchtwasseruntersuchung nachgedacht werden. Da diese auch zu einem Abort führen kann, sind die Risiken genauestens abzuwägen. Bei einer Translokation ist entscheidend, welche Gene und Chromosomen beteiligt sind. Bei einigen dieser genetischen Erkrankungen muss von weiteren Schwangerschaften abgeraten werden.

2. Infektionen

Infektionen können ebenfalls die Ursache für Fehlgeburten sein. Selten jedoch führen sie zu habituellen Aborten. Eine Ausnahme hierbei stellen die Spätaborte dar. Die Besiedlung der Scheide und des Gebärmutterhalses mit bestimmten Bakterienarten führt zur Öffnung des Muttermundes, mit und ohne Wehen. Manche Frauen neigen zu solchen Infektionen. Im Prinzip kann jeder Erreger, der in die Scheide gelangt, Aborte auslösen. Normalerweise verhindert dies die natürliche Besiedlung der Scheide mit Milchsäurebakterien. Ist die Scheidenflora geschädigt oder die natürliche Infektabwehr geschwächt, können Fehlgeburten daraus folgen.

Bei entsprechendem Verdacht wird der behandelnde Mediziner Abstriche entnehmen und im Labor auf den entsprechenden Keim untersuchen lassen. Auch der sofortige Blick in das Mikroskop gibt eventuell Aufschluss über die entsprechende Erregergruppe. Eine Messung des Säuregehalts der Scheide mit bestimmten Indikatorstäbchen kann vorgenommen werden. Optimal ist ein pH-Wert geringer als 4,4. In diesem sauren Mileau finden die Milchsäurebakterien optimale Lebensbedingungen und verhindern die Ausbreitung schädlicher Keime.

Die Infektion kann auch in der Schwangerschaft durch bestimmte Antibiotika behandelt werden. Der Nachteil von Antibiotika ist, dass sie meistens auch die natürliche Scheidenflora zerstören. Milchsäurebakterien (Laktobacillen) sollten daher gleich in Form von Scheidenzäpfchen mitverschrieben werden. Bei manchen Erregern genügt auch die Desinfektion der Vagina (beispielsweise mit Scheidenzäpfchen) und anschließende Wiederbesiedlung durch Laktobacillen. Bei Frauen mit entsprechender Vorgeschichte kann auch die Gabe von Laktobacillen in Zäpfchenform prophylaktisch alle drei Tage durchgeführt werden. Fruchten alle Maßnahmen auf Dauer nicht, muss eventuell eine Cerclage vorgenommen werden.

3. Fehlbildungen des Uterus

Auch angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter können Fehlgeburten auslösen. Die Bildung der Gebärmutter findet bereits in der embryonalen Phase eines Mädchens statt. Es ist ein komplexer Vorgang. Mehrere Gewebe verschiedenen Ursprungs sind daran beteiligt. Der Entwicklungsprozess läuft jedoch nicht immer vollständig ab. Daraus resultieren unterschiedliche Fehlbildungen der Gebärmutter. Die Gebärmutterspiegelung, die Bauchspiegelung und der Ultraschall sind Untersuchungen, mit denen sich Fehlbildungen dieses Organs feststellen lassen. Eine individuelle Therapie muss mit dem behandelnden Arzt/in besprochen werden.

4. Myome

Myome sind gutartige Wucherungen der Uterusmuskulatur und des Bindegewebes. Sie können an allen Stellen der Gebärmutter auftreten. Die Größe und die Lage der Myome sind entscheidend, ob sie Probleme darstellen. Ein Hinweis auf Myome kann eine sehr starke Menstruationsblutung sein. Diese gutartigen Wucherungen vergrößern die Oberfläche der Schleimhaut und rufen die starken Blutungen hervor.

Sowohl Myome, die unter der Gebärmutterschleimhaut liegen, als auch Myome, die in der Gebärmutterwand liegen, können zu einer erhöhten Abortrate führen. Ursachen liegen in der erhöhten Kontraktionsbereitschaft und in einer Unterversorgung des Embryos, wenn er sich direkt auf einem Myom einnistet. Oft ist eine Kombination von den drei Untersuchungsmethoden Ultraschall, Gebärmutterspiegelung und Bauchspiegelung nötig, um das genaue Ausmaß, die Lage und Herkunft eines Myoms zu bestimmen. Die operative Entfernung der Myome sollte erfolgen, wenn der Verdacht besteht, dass sie die Aborte hervorrufen. Unterstützend möglich ist die Gabe von Medikamenten.

5. Störung der Schilddrüsenfunktion

Ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt wird bei Frauen vermutet, die Probleme mit der Schilddrüse haben. Dabei wird eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) in Zusammenhang mit dem Ausbleiben des Nachwuchses gebracht. Eine unbehandelte Überfunktion (Hyperthyreose) wird für Fehl- und Frühgeburten verantwortlich gemacht.

Eine Überprüfung der Schilddrüsenfunktion durch einen Internisten/in ist bei der Suche nach der Abortursache auf jeden Fall anzuraten.

Psychologische Aspekte bei Fehlgeburten / erneute Schwangerschaft

Eine Fehlgeburt trifft die Paare völlig überraschend und unvorbereitet. Auch bei Fehl- und Frühgeburten muss Trauerarbeit geleistet werden. Manche Frauen empfinden die Aborte als schuldhaft, so als hätten sie nicht richtig funktioniert.

Scheuen Sie sich nicht im Falle einer Fehl- oder Frühgeburt eine psychosomatische Mitbetreuung in Anspruch zu nehmen.

Ein erneutes Schwangerwerden sollte erst erfolgen, wenn das Paar den Abort seelisch verarbeitet hat. Aus physischer Sicht ist eine erneute Schwangerschaft bereits im ersten Zyklus nach der Fehlgeburt möglich. Der Eisprung kann schon innerhalb der nächsten zwei bis vier Wochen nach dem Abort wieder stattfinden.

Mit einer erneuten Schwangerschaft erst einige Monate zu warten, wird teilweise heute noch empfohlen. Andere Meinungen gehen davon aus, dass ein Körper der Schwangerwerden kann, die Schwangerschaft auch austragen kann.

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