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Geburtserleichterung

Schmerzen

Schmerzen während der Geburt werden von jeder Frau unterschiedlich wahrgenommen. Selbst Mehrgebärende empfinden den Schmerz bei jeder Geburt anders. Manche Frauen stecken die Schmerzen einfach weg, andere kommen gegen Ende der Eröffnungsphase an ihre Grenzen. Niemand kann sich ein Urteil über die Schmerzen erlauben, außer die Gebärende selbst. Vieles kann helfen, den Schmerz besser zu verarbeiten und die Geburt des Babys zu erleichtern. Hier vorgestellt werden einige Wege mit dem Schmerz auf natürliche Weise fertig zu werden und sich optimal zu entspannen, sowie medizinische Geburtserleichterungen.

A: Natürliche Geburtserleichterung

Wohlfühlatmosphäre

Eine angenehme Umgebung und das Gefühl von Geborgenheit wirkt sich positiv auf den Geburtsverlauf aus. Schon in der Einrichtung moderner Geburtsräume schlägt sich das nieder. Die Geburtszimmer sind in warmen Farben gehalten und gleichen eher einem Wohnzimmer als einem Operationssaal. Die technischen Geräte sind durchaus vorhanden, stehen aber nicht im Vordergrund.

Begleitperson

Die Begleitung durch eine vertraute Person kann während der Geburt eine große Hilfe sein. Es tut gut, wenn jemand da ist, der die schmerzenden Stellen massiert, Zuspruch gibt und Geborgenheit vermittelt. Meistens nehmen die werdenden Mütter heutzutage den Partner mit. Kann oder will Ihr Partner nicht oder wollen Sie nicht, dass er mitgeht, so nehmen Sie einen anderen ihnen nahestehenden Menschen mit. Ihrer Begleitperson sollte Zeit und Gelegenheit haben, sich über den Ablauf einer Geburt zu informieren, sofern sie noch keine miterlebt hat. Sie sollte emotional belastbar und in der Lage sein, sich in den Geburtsstunden selbstlos und einfühlsam um Sie kümmern. Mütter, deren Partner bei der Geburt nicht dabei sein wollen, sind darüber oft sehr gekränkt und enttäuscht. Sicherlich ist das Geburtserlebnis einmalig und kann eine Partnerschaft stärker zusammenschweißen, aber es ist langfristig wichtiger, dass Ihr Partner sich emotional, erzieherisch und auch finanziell um das Kind kümmert. Überlegen und formulieren Sie gemeinsam, eventuell auch mit Ihrer Hebamme, was die Gründe sind, die Geburt nicht gemeinsam zu erleben zu wollen. Vielleicht können so manche Bedenken zerstreut werden.

Bewegung und Lagewechsel

Frauen, die sich frei bewegen, brauchen oft weniger Schmerzmittel und haben seltener operative Geburtseingriffe. Haben Sie also keine Bedenken umherzugehen, wenn Sie es wollen. Die aufrechte Position und das Umhergehen machen die Wehen effektiver. Durch die Schwerkraft und den stärkeren Druck des Kindes geht der Muttermund leichter auf. Die Lunge wird in aufrechter Position oder im Vierfüßlerstand entlastet und die Sauerstoffversorgung ist besser. Der Wechsel zwischen verschiedenen Positionen (Sitzen, Stehen, Hocken, Vierfüßlerstand, Liegen usw.) ist für viele Frauen angenehm. Probieren Sie ruhig alle zur Verfügung stehenden geburtserleichternden Hilfsmittel aus.

Geburtserleichternde Hilfsmittel

Sehr viele geburtserleichternde Hilfsmittel unterstützten die aufrechte Haltung der Gebärenden während der Eröffnungswehen (Pezzi-Ball, Partoball, Gebärhocker) und erlauben die Entbindung in sitzender Haltung (Partoball, Gebärhocker, Roma-Rad).

Partoball

Der Partoball ist eigentlich eine Weiterentwicklung der bei der Geburt schon lange gebräuchlichen Pezzi-Bälle. Diese sind Gymnastikbälle, die es in mehreren Größen gibt und die es der Gebärenden erlauben, verschiedenste Beckenbewegungen auszuführen. Beim Partoball sind zwei Bälle in einem bestimmten Abstand stabil miteinander verbunden. Die Schwangere hat Griffe zum Festhalten. Sie kann auf dem Partoball so Platz nehmen, dass ihre Beine fest am Boden stehen und sie ihr Becken gut bewegen kann. Der Beckenboden wird auf dem Partoball abwechselnd gedehnt und entspannt. Es ist dadurch eine bessere Durchblutung gewährleistet, das Gewebe wird ständig massiert. Eine leichtere Eröffnung der Geburtswege und eine Schmerzlinderung wird somit erzielt. Als besonders angenehm werden die Möglichkeit der freien Bewegung und die positive Wirkung auf den Damm empfunden.

Gebärhocker

Der Gebärhocker ist ein kleiner Stuhl ohne Lehne mit einer hufeisenförmigen, abgerundeten Aussparung für das zu entbindende Kind. Die Gebärende sitz tief gehockt in aufrechter Haltung auf ihm, der Partner kann sie von hinten in die Arme nehmen und halten. Das Becken ist beweglich, es wird kein Druck auf große Gefäße ausgeübt. Die Gebärende hat oft ein sehr gutes Gefühl, wo sie hinpressen muss. Die Hebamme sitz oder kniet auf einer Bodenmatte, kann Augenkontakt mit der werdenden Mutter halten und empfängt so das Baby.

Geburtsrad oder Roma-Rad

Das Geburtsrad (Roma-Rad) wurde Anfang der neunziger Jahre in der Schweiz entwickelt. Es sieht einer futuristischen Wiege ähnlich. Der gepolsterte Sitz ist an reißfesten Seilen aufgehängt. Der Beckenboden ist zugänglich, das Gesäß und die Oberschenkel liegen bequem auf. Das Roma-Rad erlaubt ein selbstbestimmtes permanentes Wippen in alle Richtungen. Gerade dieses Schaukeln wird als beruhigend und schmerzlindernd empfunden. Die Positionen auf dem Geburtsrad sind vielfältig. Die Schwangere kann stehen, sitzen oder kauern. Der Positionswechsel ist mit Hilfe einer Fernsteuerung möglich.

Geburtsseil

Ein Geburtsseil bietet Erleichterung beim Sitzen, Stehen oder Hocken. Das Seil hängt von der Decke herab. Die Frau kann sich daran festhalten oder hochziehen. Die Griffhöhe kann sie jederzeit selbst bestimmen. Alternativ zum Gebärseil gibt es auch von der Decke hängende, miteinander fest verbundene Haltetücher.

Warme Bäder

Warmes Wasser entspannt, beruhigt und senkt die Schmerzempfindlichkeit. Die Last des Babybauchs wird minimiert. In den meisten Kliniken ist es möglich, in der Eröffnungsphase ein warmes Bad zu nehmen. Über die Hälfte der Frauen nehmen dieses Angebot an. 10 bis 20 Prozent der Frauen erleben sogar eine Wassergeburt.

Massagen

Massagen des Partners oder Ihrer Begleitperson empfinden Sie wahrscheinlich als sehr angenehm. Besonders in der Eröffnungsphase kann eine kräftige Kreuzbeinmassage mit den Daumen oder Knöcheln Erleichterung bringen. Als Massagepunkt sollte ihr Partner die beiden Grübchen anpeilen, die sich einige Zentimeter von der Wirbelsäule entfernt über dem Gesäß befinden. Vielleicht bringt Ihnen aber auch die Massage des Bauchs Erleichterung. Dazu streicht ihr Partner in der Mitte des Bauchs hoch und an den Seiten herunter. Eine Schenkelmassage hilft, wenn die Scheide verspannt ist. Hierbei streicht der Partner an der Innenseite der Oberschenkel in Richtung Knie. Ideal ist dies im Atemrhythmus der Frau. Es gibt aber auch Geburtsphasen (vor allem in der Austreibungsphase), in denen Sie es absolut nicht wollen. Signalisieren Sie das dem "Masseur" eindeutig.

Akupunktur und Homöopathie

Akupunktur und Homöopathie nützen Hebammen und Mediziner in der Schwangerschaft gerne gegen unterschiedlichste Beschwerden (beispielsweise gegen Übelkeit, Erbrechen, Ödeme und Sodbrennen. Bei der Geburt oder der Geburtsvorbereitung werden sie vor allem zur Schmerzlinderung und Entspannung angewendet.

Homöopathische Mittel werden in extrem verdünnter Form als Tropfen oder Kügelchen (Globuli) verabreicht. Sie setzen sich zusammen aus pflanzlichen Stoffen, tierischen Substanzen, Mineralien oder Metallen. Allgemeingültige Aussagen, welches homöopathische Mittel der einzelnen Frau in der Schwangerschaft und bei der Geburt hilft, können nicht getroffen werden. Ein(e) homöopathisch gut ausgebildete(r) Hebamme oder Arzt bezieht bei der Behandlung sowohl die Beschwerden der Frau als auch ihre Persönlichkeit mit ein. Es ist möglich, dass bei gleichen Beschwerden verschiedener Patientinnen, ganz unterschiedliche Mittel verabreicht werden.

Die Akupunktur hat sich zur Geburtserleichterung fest etabliert. Sie sollte allerdings nur von speziell dafür ausgebildeten Hebammen und Gynäkologen ausgeführt werden. Mit der geburtsvorbereitenden Akupunktur soll die Chance auf eine leichte Eröffnungsphase gesteigert werden. Dadurch ist mit einer Verkürzung der Geburtsdauer zu rechnen. Sie kann angewendet werden bei Frauen, die keine Komplikationen in der Schwangerschaft hatten, oder nach Rücksprache mit dem behandelnden Mediziner. Etwa vier Wochen vor der Geburt wird die Schwangere nach einem festen Schema ein bis zweimal pro Woche eine halbe Stunde akupunktiert. Die "Geburtsreife" der Gebärmutter wird so gesteigert. Die Akupunktur während der Geburt soll der Schmerzlinderung und psychischen Entspannung dienen. Dabei werden in der Regel von Hebammen entspannende und schmerzlindernde Akupunkturpunkte gesetzt und diese immer wieder stimuliert.

B: Medizinische Geburtserleichterung

Medikamente

Der Nachteil aller Medikamente, die während der Geburt eingenommen werden, liegt darin, dass sie über die Plazenta zum Kind gelangen. Sind sie nach der Geburt noch in seinem Blutkreislauf, so kann das Neugeborene schlaff und schläfrig sein sowie unter Atemproblemen leiden. Die Einverständniserklärung vor der Gabe jedes Medikamentes sollte von der Frau eingeholt werden. Über die Wirkung und alle Nebenwirkungen muss aufgeklärt werden. Die Präparate, die verabreicht werden, gehören verschiedenen Wirkgruppen an. Als Spasmolytika werden krampflösende Medikamente bezeichnet. Sie können entweder als Spritze oder Zäpfchen gegeben werden. Die glatte Muskulatur entspannt sich. Die Präparate dieser Wirkgruppe helfen, wenn sich der Muttermund nicht öffnet. Sehr viele unter der Geburt gegebene Medikamente sind sogenannte Spasmoanalgetika. Diese Kombinationspräparate haben eine krampflösende (spamolytische) und eine schmerzstillende (analgetische) Komponente. Die Analgetika oder Schmerzmittel werden eingeteilt in die peripher wirksamen (z. B. Paracetamol) und in die zentral wirksamen Präparate (Opioiden = Opiatderivate). Das in der Geburtshilfe am häufigsten verabreichte Schmerzmedikament ist Dolantin mit dem Wirkstoff Pethidin. Es kann oral, intravenös oder intramuskulär verabreicht werden und hat eine morphinähnliche Wirkung. Ungefähr 15 Minuten nach der Gabe setzt die Wirkung ein und hält zwei bis vier Stunden an. Eine unangenehme Eigenschaft des Mittels ist, dass die Frauen müde werden und nicht mehr bei der Geburt mitarbeiten. Vielen Frauen wird auch übel. Die negativen Auswirkungen auf das Baby sind eine verlangsamte Atmung und die veränderte Temperaturregulation. Das Kind kühlt schneller aus. Der Wirkstoff wird nur langsam in der Leber des Neugeborenen abgebaut. Stehen Angst und Verspannung im Vordergrund so können Psychopharmaka eingesetzt werden. Sie gehören zu den Beruhigungsmitteln. Zum Einsatz kommen die Psychopharmaka oft in Kombination mit einem Schmerzmittel.

Pudendusblock

Bei einem Pudendusblock wird kurz vor der dem eigentlichen Pressen ein Lokalanästhetikum an einer speziellen Stelle des Beckenbodens in die schmerzleitenden Bahnen des Nervus pudendus gespritzt. Es werden so vor allem die Nerven des Damms und des äußeren Genitales betäubt. Der Beckenboden entspannt sich. Diese Form der Schmerztherapie wird angewandt vor Saugglocken- und Zangenentbindungen. Die Wirkung hält meist noch so lange (circa 1 Stunde), damit ein Dammschnitt oder -riss schmerzfrei versorgt werden kann. Nebenwirkungen des Pudendusblock können Blutergüsse in der Scheidenwand sein. Sehr selten treten Infektionen und Abszessbildung auf.

Damminfiltration

Es handelt sich um eine Lokalanästhesie im Dammbereich. Ein Betäubungsmittel wird in das Dammgewebe eingespritzt. Durch diese Maßnahme kann ein Dammschnitt oder -riss schmerzfrei versorgt werden.

Periduralanästhesie (PDA)

Mit der Periduralanästhesie (abgekürzt PDA) kann der Geburtsschmerz vorübergehend durch die lokale Anwendung eines Betäubungsmittels (Anästhetikum) ausgeschaltet werden. Die PDA wird auch als Epiduralanästhesie EDA bezeichnet.

Die PDA kann beispielsweise in folgenden Fällen zur Geburtserleichterung gewählt werden:

Die PDA darf in Deutschland nur ein Anästhesist (Narkosearzt) durchführen. Idealerweise wird sie gesetzt, wenn der Muttermund in der Eröffnungsphase erst zwei bis drei Zentimeter eröffnet ist.

Zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel wird in den Peridural- bzw. Epiduralraum ein Lokalanästethikum gespritzt. Der Periduralraum befindet sich zwischen den äußeren Schutzhüllen des im Wirbelkanal verlaufenden Rückenmarks. Das Betäubungsmittel blockiert die Reizleitung der Rückenmarksnerven, die hier aus dem Wirbelkanal austreten.

Dazu geht der Änästhesist mit einer Hohlnadel in den Epiduralraum, nachdem die Punktionsstelle vorher örtlich betäubt und desinfiziert wurde. Über diese Hohlnadel wird dann ein sehr dünner und flexibler Kunststoffschlauch (Periduralkatheter) in den Periduralraum eingeführt, die Hohlnadel daraufhin entfernt. 10 bis 15 Minuten nach Gabe des örtlichen Betäubungsmittels wird die untere Körperhälfte gefühllos und schmerzunempfindlich. Die werdende Mutter bleibt aber bei vollem Bewusstsein. Der Katheter bleibt bis zur Beendigung der Geburt liegen. Bei Bedarf wird Lokalanästhetikum nachgespritzt. Die schmerzfreie Versorgung eines Dammschnitts oder -risses kann so auch erfolgen.

Beim Anlegen der PDA muss sich die Schwangere nach vorne gebeugt sitzen und möglichst einen Buckel machen oder auf der Seite liegen. Dies ist mit einem großen Bauch und unter heftigem Wehenschmerz nicht immer einfach zu bewerkstelligen.

Vorteile

Liegt die PDA richtig, werden nur die Nerven örtlich und zeitlich begrenzt ausgeschaltet, die den Geburtsschmerz verursachen. Die Frau kann sich dann gut entspannen, manchmal sogar unter den Wehen schlafen und sich von der anstrengenden Eröffnungsphase erholen. Der große Vorteil der PDA liegt darin, dass bei richtiger Dosierung des Lokalanästhetikums, die Frau die Wehen und den Druck auf das Becken noch spürt, ohne das sie ihr Schmerzen bereiten. Sie kann so in der Austreibungsphase aktiv mitpressen. Gegenüber der Gabe von Schmerzspritzen, -tabletten oder -zäpfchen hat die PDA keine Auswirkung auf das Baby. Heutzutage ist es beim Einsatz einer "mobilen" PDA sogar möglich, dass die Schwangere umhergeht. Die Bewegung fördert den Geburtsverlauf. Früher mussten die Frauen im Bett liegen bleiben.

Komplikationen, Nebenwirkungen und Risiken

Die Geburt muss allerdings intensiv überwacht werden, da der Blutdruck absinkt. Es wird daher eine Infusion mit kreislaufstabilisierenden Medikamenten angelegt. Das Kind ständig durch das CTG überwacht. Da das Betäubungsmittel auch die Gebärmuttermuskulatur entspannt, werden die Wehen manchmal so schwach, dass zusätzlich ein Wehentropf angehängt werden muss. Leider kann es auch vorkommen, dass die PDA so gelegt wurde, dass nur eine Körperhälfte hinreichend betäubt ist. Auf der anderen Seite werden die Wehen sehr deutlich bis schmerzhaft wahrgenommen. Bei völliger Empfindungslosigkeit im Unterleib verliert die Frau das Gefühl für die Wehen und den Drang mitzupressen. Die Geburt wird somit häufig durch eine Saugglocke oder Zange beendet. Ein Dammschnitt ist dann fast immer erforderlich. Tagelange Kopfschmerzen können nach der Geburt auftreten und machen eine mehrtägige Bettruhe erforderlich. Extrem selten treten bleibende Nervenschädigungen oder Lähmungen als Folge von Blutergüssen, Entzündungen oder direkten Nervenschädigungen auf. Das Infektionsrisiko ist gering.

Gegenanzeigen

Eine PDA darf nicht durchgeführt werden, wenn die Mutter die Methode ablehnt oder eine therapiebedürftige Gerinnungsstörung hat. Außerdem ist diese Methode contraindiziert bei akuten entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder Volumenmangelschockzuständen.

Am besten sollten Sie schon vor der Entbindung mit ihrem Arzt über die Vorteile, Risiken und Komplikationen der PDA sprechen. Sie wissen bei der Geburt dann schon, ob diese Methode der Schmerzausschaltung für Sie in Frage kommt.

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